Die richtige Bank für Ihre Bedürfnisse

Privatkunden waren bis in die sechziger Jahre hinein in puncto Kredite eine uninteressante Klientel für die Banken. Dass sich dies änderte, bedurfte eines besonderen Anstoßes: 1958 trug Robert Pferdmenges, Bankier und persönlicher Berater Konrad Adenauers, auf dem IX. Deutschen Bankiertag in Köln einen Brief ,des damaligen Bundeswirtschaftsministers Ludwig Erhard vor. »Es gehört nach meinen Vorstellungen nun einmal zu den Aufgaben eines Bankiers, dass man bei ihm auch als Privater ein paar hundert Mark bei einer Bank leihen kann, ohne dafür Haus und Hof an die Bank verpfänden zu müssen.

Ein Jahr später begann die Kreditrevolution: Ab dem 2. Mai 1959 ehrte die Deutsche Bank einen nichtbesicherten persönlichen Kleinkredit bis zu 2 000 Mark gegen Vorlage einer Lohn- oder Gehaltsabrechnung ein. Die Verbraucher nahmen die Idee an. Inneralb von fünf Jahren ließen sie sich weit über eine Million Kredite einem Volumen von insgesamt 1,3 Milliarden Mark auszahlen.

Heutzutage läuft man als potenzieller Kreditkunde bei allen Banken offene Türen ein. Das Gewinn bringende Geschäft mit den Privatkunden wurde von allen Banken erkannt, die Bankdienstleistungen sind auf dieses Klientel abgestimmt. Mittlerweile sind auch Nicht-Firmenkunden gefragte Geschäftspartner von Banken. Darum hat man als Privater die Wahl zwischen einer Vielzahl von Banken. Dabei liegen die Unterschiede nicht nur im Leistungsangebot der Banken.



Doch von den deutschen Universalbanken passt nicht jede zum eigenen Portmonee und zur Anlagementalität. Bei der Entscheidung für die individuell richtige Bank muss man daher auf die Unterschiede der Banken achten. Kriterien sind hierbei die Geschichte, die Kundenstruktur und das jeweilige Angebot am Wohnort.

Geschäftsbanken und Privatbanken

In Deutschland gibt es 325 Geschäftsbanken. Gut die Hälfte dieser Banken, genau 187, sind regionale Banken, die nur in einem begrenzten Gebiet arbeiten. Alle Geschäftsbanken zusammen erzielen ein Drittel des Geschäftsvolumens im Privatkundengeschäft.Die bekanntesten Banken unter den Geschäftsbanken, allesamt Aktiengesellschaften, sind die Großbanken. Davon gibt es in Deutschland vier: die Deutsche Bank und die Dresdner Bank sowie die Commerzbank, allesamt mit Sitz in Frankfurt/Main und die HypoVereinsbank mit Sitz in München.

Diese größten deutschen Kreditinstitute - die Deutsche Bank ist nach dem Kauf der amerikanischen Investmentbank Bankers Trust noch die größte Bank der Welt - sind
typische Universalbanken, die das Bankgeschäft in seiner ganzen Breite betreiben. Zudem haben sie eigene Tochterbanken, beispielsweise für das Investmentgeschäft, oder Hypothekenbanken und solche im Ausland. Das Bilanzvolumen der deutschen Großbanken (ohne HypoVereinsbank) macht zusammengerechnet nur etwa 9 Prozent der gesamten Kreditwirtschaft aus - zusammen mit allen Töchtern aber ein Fünftel.Für Unternehmen gilt die ungeschriebene Regel, bei einer der großen vier Banken eine Bankverbindung zu haben. Dies gilt für Privatleute nicht, doch wer umfassende Bankdienstleistungen sucht, findet bei den großen Banken sicherlich Spezialisten. Die bedeutenden Geschäftsbanken haben allerdings ihre Filialen hauptsächlich in größeren Städten. Ein anderes Manko - die geringe Anzahl der Geldautomaten - haben die Kreditinstitute durch einen speziellen Verbund gelöst. Trotzdem sollten Interessierte die nicht gerade günstigen Gebühren der großen Banken berücksichtigen.

Nicht jeder darf bei diesen Banken sein Geld für sich arbeiten lassen, oder anders formuliert: Nur die wenigsten werden als Kunden von diesen Banken akzeptiert. Exklusivität herrscht bei den nur noch 57 Privatbankiers im Lande. Der traditionsreichste Zweig der deutschen Kreditwirtschaft wird immer kleiner. 1957 gab es noch 245, 1980 nur noch 83 Privatbanken. Auch die Großbankern schmücken sich gern mit diesem Prädikat und der interessanten Klientel und kauften fleißig private Banken auf. Die erbliebenen 57 Banken haben äußerst unterschiedliche Schwerpunkte. Gemeinsam ist ihnen, dass sie kein Filialnetz betreiben.Das Bankhaus Sal. Oppenheim jr. & Cie. in Köln, unabhängige Privatbankiers seit 1789, ist die größte deutsche - und europäische -Privatbank.

Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken

Obwohl in den letzten 20 Jahren 217 Sparkassen fusionierten, gibt es noch 594 öffentlich-rechtliche Banken. Sie entstanden im 19. Jahrhundert als Unterstützung für die ärmeren Bevölkerungsschichten. So verpflichtet das Sparkassengesetz noch heute zum flächendeckenden Betrieb des Mengengeschäfts. Menge machen die Sparkassen noch immer, denn immerhin läuft knapp 40 Prozent des Privatkundengeschäftes über diese Banken. Ursprünglich betreuten sie nur Spargelder und das Realkreditgeschäft. Heute jedoch sind Sparkassen Universalbanken, die alle Bankgeschäfte anbieten.In keinem anderen Land der Welt ist der Staat derart direkt in der Bankenbranche engagiert, wie bei den öffentlich-rechtlichen Sparkassen und Landesbanken, die alle Geschäftsfelder betreiben. Die Landesbanken sind die Girozentralen des Sparkassensystems und agieren auch als Hausbanken der Länder und Kommunen.

2 420 Volks- und Raiffeisenbanken betreuen knapp 20 Prozent des Privatkundengeschäfts. Sie sind Genossenschaftsbanken und gehören den jeweiligen Mitgliedervereinigungen der Bankkunden. Sie firmieren im städtischen Bereich unter Volksbanken, im ländlichen als Raiffeisenbanken. Dabei haben die Banken eine beispiellose Fusionswelle hinter sich: In den letzten 20 Jahren fusionierten 2 704 Genossenschaftsbanken.

Konzipiert waren die Genossenschaftsbanken als Selbsthilfeeinrichtungen des Mittelstandes - Handwerker, Selbständige, Händler, Kleingewerbetreibende, für die Kredite unerreichbar waren, da sie entweder zu teuer oder zu weit weg in den großen Städten waren. Deshalb gründeten Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen die ersten Kreditgenossenschaften, die später auch Bankdienstleistungen für jedermann anboten. 1960 beispielsweise bestand mehr als ein Drittel aller Mitglieder der Genossenschaften aus unselbständig beschäftigten Angestellten und Arbeitern. Das international operierende Spitzeninstitut der genossenschaftlichen Bankengruppe ist die DG Bank, die Deutsche Genossenschaftsbank.

Heute bieten die Volks- und Raiffeisenbanken das umfassende Leistungsangebot von Universalbanken - und das zu meist günstigen Konditionen. Wie auch die öffentlich-rechtlichen Banken verfügen die Volks- und Raiffeisenbanken über viele Filialen und ein großes Netz von Geldautomaten. Internat