Die passende Finanzierung

Schulden zu machen, hat in Deutschland einen schlechten Klang. Dahermachen immer nur die anderen Schulden - man selbst nimmt keine Finanzierung in Anspruch. Diese Umschreibung hört sich nicht nur besser an, sie trifft auch sachlich eher zu. Denn ein Schuldner hat sich nichts zu Schulden kommen lassen, vielmehr handelt es sich um ein ganz normales Geschäft, bei dem beide Seiten ihre Vorteile haben. Der Schuldner braucht eine Finanzierung, um investieren oder unvorhersehbare Ausgaben bestreiten zu können. Vielleicht hat sich ihm aber auch eine günstige Kaufgelegenheit geboten, bei der er einfach schnell zugreifen möchte.

Seine Bank stellte ihm die Finanzierung zur Verfügung - und dafür zahlt der Kunde neben seiner Tilgungsleistung Zinsen. Zinsen sind nichts anderes als "Miete fürs Geld". Niemand käme auf den aberwitzigen Gedanken, einen Mieter als Schuldner zu bezeichnen, nur weil er nicht Eigentümer seiner Wohnung oder seines Hauses ist. Die Bank wiederum braucht die Kreditnachfrage, denn schließlich muss sie das als Sparguthaben vereinnahmte Geld lukrativ anlegen. Lukrativ bedeutet in diesem Fall: Zwischen den Guthabenzinsen, die das Institut gewährt, und den Darlehenszinsen, die es verlangt, muss eine möglichst breite Marge liegen. Wie breit diese Marge sein kann, beweist ein Beispiel aus dem Jahr 1999: Damals waren die Zinssätze für Termingelder auf 2,25 Prozent gesunken. Dennoch berechneten viele Institute für Überziehungskredite stolze 10 Prozent und mehr.



Als Kreditnehmer sind Sie weder Bitt- noch Antragsteller, sondern ein wichtiger Geschäftspartner Ihrer Bank oder Sparkasse. Treten Sie entsprechend selbstbewusst - aber nicht arrogant - auf, und scheuen Sie sich nicht, bei einem anderen Institut abzuschließen, wenn Ihnen die Hausbank eine schlechte Finanzierung zumutet.

Von guten und schlechten Schulden

Verbraucherschützer, Schuldenberater und karitative Organisationen schlagen in regelmäßigen Abständen Alarm: Immer mehr Bundesbürger sitzen in der Schuldenfalle und wissen nicht mehr, wie sie ihren Verpflichtungen nachkommen sollen. In der Tat stehen die Deutschen allein auf ihren Girokonten mit rund 40 Milliarden Mark in der Kreide. Das erklärt im Übrigen auch, weshalb die Banken und Sparkassen Zinssenkungen nur sehr zögerlich an ihre Kreditnehmer weitergeben.

Sollten wir uns angesichts der zahlreichen erschütternden Fälle von Überschuldung also wieder an den gutgemeinten Rat unserer Großeltern erinnern und möglichst niemals eine Finanzierung in Anspruch nehmen. Das wäre nicht nur volkswirtschaftlich betrachtet
unsinnig. Denn ohne Kreditangebot und -nachfrage wäre unser gesamtes Wirtschaftssystem nicht lebensfähig. Nur wenigen Zeitgenossen ist es vergönnt, ihr neues Auto oder gar eine Immobilie ohne Finanzierung bezahlen zu können. Die Finanzierung erfolgt daher über Kredite. Dient das Fremdkapital betrieblichen Investitionen oder vermieten Sie die gekaufte Immobilie, so sind die Zinsen steuerlich abzugsfähig.

Auf eines jedoch sollten Sie achten: Es gibt "gute" und "schlechte" Finanzierungen. Die "guten" dienen zum Beispiel der Anschaffung einer eigenen Immobilie. Sie zahlen zwar Zinsen und Tilgung, dafür sparen Sie aber Miete - und der Staat hilft obendrein mit der Gewährung der Eigenheimzulage. Auch die Finanzierung von Investitionen im eigenen Unternehmen zählt zu den "guten" Schulden. Und sogar gegen die Finanzierung eines Autos gibt es nichts einzuwenden, sofern der Aufwand in einem vernünftigen Verhältnis zum Einkommen steht.

"Schlechte" Schulden hingegen fließen in den schnellen, oberflächlichen Konsum. Die kreditfinanzierte Luxusreise in die Karibik gehört ebenso dazu wie das sündhaft teure Designer-Möbel, das sich die Familie eigentlich gar nicht leisten kann. Auch der mit Hilfe des Überziehungskredits finanzierte Luxus-Einkaufsbummel in New York oder Paris erscheint - zumindest finanzwirtschaftlich betrachtet - fragwürdig. Verstehen Sie diese

Mahnungen und Warnungen bitte richtig. Niemand möchte Ihnen den Spaß an ein bisschen Luxus nehmen. Jeder hat einmal das Bedürfnis, sich etwas Besonderes zu leisten. Und wenn Sie dafür ein paar Wochen Ihr Gehaltskonto überziehen, ist nichts dagegen einzuwenden - dafür ist diese Art von Finanzierung ja gedacht. Nur: Wer einmal über die Stränge schlägt, sollte sich anschließend wieder auf die Tugend des Sparens besinnen und den überzogenen Betrag schnellstmöglich ausgleichen.


Vorsicht bei ständiger Überziehung

Steckt Ihr Girokonto chronisch in den roten Zahlen, sollten eigentlich sämtliche Alarmglocken läuten, denn auf diese Weise sind schon viele Bankkunden in die Schuldenfalle geraten. Natürlich: Die Geldinstitute machen es den Kunden dank des Dispositionskredits leicht, über ihre Verhältnisse zu leben. Doch Hand aufs Herz: Beschweren wir uns auf der anderen Seite nicht ebenso lautstark, wenn die Bank eine Finanzierung verweigert oder auf einer Vielzahl von Sicherheiten besteht? Tatsache ist: Sie allein sind für Ihre Finanzen verantwortlich - auch für die Balance Ihres Kontostandes. Damit nichts passiert, sollten Sie beim Umgang mit Finanzierungen die folgenden zehn Grundregeln beachten:

- Verschaffen Sie sich einen realistischen Überblick über Ihre finanziellen Verhältnisse.
- Überziehen Sie Ihr Girokonto nicht dauerhaft - davon profitiert nur die Bank. Reicht Ihr monatliches Einkommen nicht mehr aus, um den Dispositionskredit auszugleichen, dann tilgen Sie nach Möglichkeit mit Spargeldern oder sonstigen Rücklagen.
- Die Grenze fürs Geldausgeben verläuft exakt auf der Null-Linie Ihres Kontos - nicht auf der Kreditlinie.
- Meiden Sie "schlechte" Schulden - vor allem Schulden, die für den kurzlebigen Konsum aufgenommen werden.
- Überlegen Sie, ob Sie wirklich einen Kredit in Anspruch nehmen müssen oder ob ein Aufschub der Investition und - damit verbunden -eine längere Ansparphase nicht sinnvoller erscheint.
- Vergleichen Sie die Kreditangebote. Die Finanzierungsvorschläge der Autobanken zum Beispiel sind meist recht günstig.
- Abgesehen vom Dispositionskredit ist fast jede Aufnahme von Fremdkapital mit Nebenkosten und Gebühren versehen. Auch daran sollten Sie denken.
- Wenn Sie nicht die Möglichkeit haben, Schuldzinsen steuermindernd abzusetzen (etwa bei einer vermieteten Immobilie), sollten Sie bei jeder Investition so viel Eigenkapital wie möglich einsetzen.
- Vereinbaren Sie möglichst kurze Laufzeiten. Je schneller Sie tilgen, desto preiswerter wird der Kredit insgesamt.
- Achten Sie aber auch darauf, dass Ihnen trotz Zins- und Tilgungszahlungen ein ausreichender finanzieller Spielraum bleibt, um Ihren gewohnten Lebensstandard ohne größere Einschränkungen fortsetzen zu können. Ihre Motivation wird nämlich zwangsläufig sinken, wenn Sie irgendwann frustriert feststellen, dass Sie nur noch für Ihre fixen Ausgaben (und dazu gehören Zinsen und Tilgung) arbeiten und sich kaum noch etwas leisten können. Internat