Schuldnerberatung: Hilfe zur rechten Zeit

Es ist nicht immer leicht, einen Weg aus dem Schuldendschungel zu finden. Deshalb ist es wichtig, daß Sie sich mit einer Person Ihres Vertrauens besprechen können, Informationen und Tipps erhalten, wie Sie sich richtig verhalten. Hier hat sich seit Anfang der achtziger Jahre eine neue Beratungsform entwickelt, die Schuldnerberatung.


Beratungsanspruch auf Schuldnerberatung: Auf Schuldnerberatung haben Sie nach § 17 Bundessozialhilfegesetz (BSHG) einen Beratungsanspruch. Diesen Anspruch auf Schuldnerberatung muß Ihre zuständige Kommune einlösen. Die Schuldnerberatung ist von den Kommunen selbst oder durch einen freien Träger, wie zum Beispiel Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche, Deutsches Rotes Kreuz, Paritätischen Wohlfahrtsverband oder auch die Verbraucherzentralen, anzubieten.Schuldnerberatung ist regional zuständig. Sie müssen also bei Ihrer Gemeinde, dem Landkreis, Wohlfahrtsverbänden oder Verbraucherzentralen nachfragen, wo Schuldnerberatung angeboten wird.


Schuldnerberatung ist kostenlos; sie ist grundsätzlich für alle hilfsbedürftigen Personen und Haushalte zuständig. Hier spielt es erst einmal keine Rolle, welcher Art Ihre Schulden als Privatperson sind. Bei gewerblichen Schulden ist allerdings - sofern Sie noch über Ihr Geschäft verfügen - zu prüfen, inwieweit hier nicht andere Institutionen zuständig sind. Einzelne Schuldnerberatungsstellen beraten grundsätzlich keine Ratsuchenden, die Immobilien- bzw. gewerbliche Schulden haben. Bei diesen Problembereichen müssen Sie bei Ihrer Schuldnerberatungsstelle nachfragen, welche Alternativen Sie haben.


Aufgaben und Tätigkeiten von Schuldnerberatungsstellen

Schuldnerberatung ist kein Allheilmittel. Sie bietet Ihnen zunächst einmal eine kostenlose Beratung, bei der Sie Ihr finanzielles Problem darstellen können, juristische Hinweise bekommen und gemeinsam mit dem Berater nach Lösungen suchen können. Darüber hinaus bietet Schuldnerberatung Hilfe bei der Erstellung von Sanierungskonzepten an, bei Bedarf vermittelt sie auch zwischen Ihnen und Ihren Gläubigern, so daß einvernehmliche Lösungen gefunden werden. Die Übernahme der Verhandlungen mit den Gläubigern kann aber erst dann erfolgen, wenn bei Ihnen für eine Regulierung frei verfügbare Einkommensanteile vorhanden sind.

Fazit:

- Sie haben einen Anspruch auf kostenlose Schuldnerberatung.
- Seriöse Schuldnerberatung finden Sie bei den Kommunen, Landkreisen,
Wohlfahrtsverbänden und einigen Verbraucherzentralen.
- Schuldnerberatung ist vertraulich und achtet auf die Einhaltung des Datenschutzes.
- Schuldnerberatungen können keine Kredite vergeben.
- Die Schuldnerberatung sollten Sie möglichst frühzeitig aufsuchen.

Gewerbliche Umschulder: Lassen Sie die Finger davon!

Es sind schon viele Schuldner auf die Machenschaften sogenannter gewerblicher Schuldenregulierer hereingefallen.

Damit Ihnen so etwas nicht auch widerfährt, stellen wir hier einige Varianten von Kreditvermittlern und gewerblichen Schuldenregulierern vor, die unberechtigte Kosten und Gebühren von Ihnen abzukassieren versuchen.

Angebliche Kreditvermittlung:

Hier stellt der Kreditvermittler ganz vage einen Kredit in Aussicht. Damit dieser potentielle Kredit genehmigt und ausgezahlt werden kann, müssen Sie die Unterlagen, die Ihnen in den nächsten Tagen per Nachnahme zugesandt werden, einlösen. Angeblich sei dies schon eine Art Vermittlungsgebühr. Die Nachnahme beläuft sich auf Beträge von 45 bis 800 DM. Nach Rücksendung der Kreditantragsunterlagen hören Sie in der Regel nichts mehr von diesem Kreditvermittler, oder er hält Sie hin mit der Begründung, daß es noch technische Probleme bei der Auszahlung gebe. Zu einer Kreditauszahlung kommt es jedoch in keinem Fall. Die vermeintlichen Kreditvermittler sind nur an der Nachnahmegebühr interessiert und an sonst nichts. Ist Ihnen so etwas passiert, sollten Sie diesen Kreditvermittler wegen Betrugs bei der Staatsanwaltschaft anzeigen.

Wirtschaftsberatung für eine Kreditvermittlung:

Bei dieser Variante haben Sie sich wiederum auf eine Kreditanzeige gemeldet. Der Kreditvermittler kommt bei Ihnen selbst vorbei oder schickt einen Kollegen und macht erst einmal eine einfache Einnahmen- und Ausgaben-Gegenüberstellung. Danach verspricht er, Ihnen einen Kredit zu besorgen. Aber vorher müßten Sie ihm noch die Auslagen, die er bisher gehabt hat, erstatten. Die Auslagen seien nach 5 17 Satz 2 VerbrKrG vom Kreditnehmer zu zahlen, auch wenn der Kredit nicht zustande kommen sollte. Wenn Sie kein Geld zu Hause hätten, sollten Sie ihm eine Einzugsermächtigung unterschreiben.

Auch in diesem Fall hat der angebliche Kreditvermittler nicht die Absicht, Ihnen einen Kredit zu vermitteln. Er ist nur daran interessiert, von Ihnen die überhöhten und nicht gerechtfertigten Auslagen erstattet zu bekommen. Die Auslagen werden für die Fahrtkosten und für eine sogenannte Wirtschaftsberatung verlangt.

In der Tat kann ein Kreditvermittler sich nach 5 17 Satz 2 VerbrKrG Auslagen von Ihnen erstatten lassen. Er darf sie allerdings nicht pauschaliert verlangen, und sie müssen nachvollziehbar sein. Dies ist hier in der Regel nicht der Fall, und daher sollten Sie - bevor Sie eine Vereinbarung über die Zahlung der Auslagen unterschreiben - juristischen Rat einholen. Eine Einzugsermächtigung oder auch Überweisungsträger sind generell nicht zu erteilen bzw. zu unterschreiben.

Gewerbliche Schuldenregulierer:

Hier wird kein Kredit vermittelt, sondern nur eine Regulierung Ihrer Schulden in Aussicht gestellt. Genauer gesagt: Es wird nur die Weiterleitung Ihrer Ratenzahlung an die Gläubiger angeboten. Der Schuldenregulierer verlangt in der Regel keine Gebühren vorab. Die Gebühren werden mit den ersten beiden Raten verrechnet. Dann werden für die Geldverteilung an die Gläubiger noch weitere monatliche Gebühren erhoben.Diese Art von Vertrag ist nichtig, da gewerbliche Schuldenregulierung gegen das Rechtsberatungsgesetz verstößt, und zwar schon dann, wenn der Schuldenregulierer Ihre Gläubiger anschreibt und Raten anbietet. Sollten Sie solch einen Vertrag unterschrieben haben, fordern Sie sofort Ihre Unterlagen und die bereits bezahlten - und nicht weitergeleiteten - Raten zurück. Weiterhin sollten Sie sich umgehend an eine Schuldnerberatungsstelle, Verbraucherzentrale oder einen Rechtsanwalt wenden.Gewerbliche Schuldenregulierung mit Rechtsanwalt: Die ganz cleveren gewerblichen Schuldenregulierer arbeiten mit einem Rechtsanwalt zusammen und umgehen so das Rechtsberatungsgesetz. Ihr Schuldenregulierungsvertrag sieht vor, daß der gewerbliche Schuldenregulierer nur die von Ihnen eingezahlten Raten an die Gläubiger weiterleitet. Die Verhandlungen führt dagegen ein Rechtsanwalt. Somit kommen zu den überhöhten Gebühren des Schuldenregulierers auch noch die Rechtsanwaltskosten hinzu. Der Rechtsanwalt geht bei der Berechnung seiner Gebühr von einem Streitwert aus, und dies ist in der Regel Ihre Gesamtverschuldung.Dieser Vertrag verstößt nicht gegen das Rechtsberatungsgesetz und ist daher grundsätzlich zulässig. Allerdings kann der Vertrag sittenwidrig sein (vgl. S 138 BGB), sofern überhöhte Gebühren kassiert werden oder der Vertrag selbst undurchsichtig ist.In diesem Fall sollten Sie den Vertrag wieder von einem Rechtsanwalt oder auch einer Schuldnerberatungsstelle prüfen lassen.
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